Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Mit Schiffen radeln – Teil 7 – Teuflische Zahlen und göttliche Architektur

Bei bestem Wetter geht es weiter, und ich entscheide spontan nicht den Radweg-Schildern zu folgen. Der Radweg geht über die Bahn, und hier gehen gerade die Schranken zu. Tante Google sagte eh, links rum wäre kürzer. Und die Tante kennt, wie ich ja schon gestern gelernt habe, alle Schleichwege!

Auf einem Trampelpfad geht es zwischen Bahn und Fluss, und das ist zumindest für die kurze Strecke viel spannender als auf dem Radweg! Aber natürlich geht es, als ich nach wenigen Kilometern wieder auf den Radweg einscheren muss, viel schneller weiter.

Zwischen Bahn und Rhein

Kurz darauf erreicht der Kilometerzähler meines Rades den Stand 6.666,6 km.

6666,6 km

Das Tal wird breiter und breiter, es fahren immer mehr Schiffe, und aus Rheinland-Pfalz wird Nordrhein-Westfalen.

Ganz schön was los auf dem Fluss

Es stehen ab und zu noch ein paar Burgen da, aber mehr und mehr wird es moderner und die Burgen werden Villen. Wir nähern uns der ehemaligen Hauptstadt, und in 50 Jahren Regierungszeit ist hier der Ein oder Andere versehentlich zu Geld gekommen. Rechts und links gibt es viel zu kucken, wenn man an Architektur interessiert ist:

Zu viel darf man allerdings nicht kucken, eine entgegen kommende Radlerin hat genau das getan, ist von Radweg angekommen und gestürzt. Als ich ankomme stehen schon vier Personen untätig um die am Boden liegende Dame herum, und kucken geschäftig, wissen aber nicht, was sie tun sollen. Keiner sichert die Unfallstelle, keiner kümmert ich um die Verletzte, alle stehen nur hilflos im Kreis. Ich hoffe, dass wenn mir mal was passiert, dann tut jemand was, und kuckt nicht nur blöde!

Als ich der Dame auf die Parkbank helfe und ihre Wunden (die glücklicherweise nicht so schlimm sind) versorge, trollen sich die Anderen. Der Ehegatte der Amerikanerin holt sie nach einer halben Stunde ab, solange unterhalten wir uns kurz. Ich frage sie, ob sie Diplomatin sei, sie entgegnet: „Not quite, but something similar“. Als ich nachfrage, ob sie also Spionin sei, lacht sie ein wenig zu überzeugend! Ich vermute NSA, schließlich sagt sie, sie seien im Telekom-Gewerbe. Und das sind ja schließlich meine persönlichen Freunde seit meinem letzten USA-Besuch.

Aber zurück zum Thema:

Ein paar architektonische Werke fallen besonders aus, wie etwa die Brücke von Remagen, …

Die Reste der Brücke von Remagen


… in der jetzt ein Museum untergebracht ist, oder ein auffälliges Ungetüm aus Glas und Stahl, das laut Wikipedia 100 Millionen gekostet hat.

Das Kameha Grand Hotel

In Bonn liegt malerisch am Rhein der ehemalige Wohnsitz des Bundespräsidenten, inzwischen natürlich nur noch Zweitwohnsitz nach Schloss Bellevue.

Die Villa Hammerschmidt

Kurz danach verlasse ich den Rhein, um mir die Stadt genauer anzuschauen. Auch das Rathaus ist ganz hübsch:

Das Bonner Rathaus

Das Bonner Münster ist relativ unspektakulär, aber direkt davor sind wieder viele Sechser am Display des Fahrradcomputers zu sehen. Diesmal habe ich seit Start dieser Radtour 666,66 km hinter mich gebracht. The Number of the Beast vor dem Gotteshaus? Ein Zufall? Ich glaube nicht!

666,66 km vor dem Bonner Münster

Direkt gegenüber des Münsters wird ein ganz besonderer Musiker geehrt; Ludwig van Beethoven ist in Bonn geboren, und darum hab ich das Hörbuch, das ich vor der Stadt gehört habe an der Stadtgrenze durch die neunte Symphonie ersetzt. Freude schöner Götterfunken!

Einer der genialsten Musiker aller Zeiten

Bevor ich die Ex-Hauptstadt verlasse, entdecke ich noch das rumänische Generalkonsulat, ein hässlicher 70er-Jahre-Bau, aber mit typisch rumänischer Holzkirche im Garten:

Das rumänische Generalkonsulat

Ein bisschen am Rhein entlang, ein bisschen im Hinterland fahre ich Richtung Köln, und versuche dort recht erfolgreich möglichst viel durch Parks statt über Strassen in die Innenstadt zu kommen.

Im Vorgebirge-Park (in dem ich nicht mal ansatzweise etwas Gebirgiges erkennen kann) sind Fußweg und Radweg getrennt. Ich wechsle auf den Fußweg, weil ich mal wieder ein paar Meter schieben will (Auaaua, Mimimi!). Das sehen zwei kleine Mädchen, die mit Mutter spazieren gehen. „Der Mann ist auf dem falschen Weg!“. Sie rennen von der Mutter los auf mich zu. „Hey, Sie da! Sie dürfen da nicht fahren!“. „Aber ich schiebe das Fahrrad doch?“. Ach so, das erscheint ihnen schlüssig, und laufen wieder zur Mutter zurück. Wie süß!

Rein wegen der Perspektive wechsle ich auf die rechte Rheinseite, um eine Brücke weiter wieder zurück zu radeln. Auch wenn ich bekanntlich kein Freund von Religionen und sonstigen Massenwahnvorstellungen bin, der Kölner Dom ist schon beeindruckend.

Und nochmal auf das Thema des heutigen Beitrags zurückzukommen: Zwischen Bonn und Köln ist der teuflische Rheinkilometer sechshundertsechsundsechzig, und danach kommt auch nochmal alte und neue Architektur:

In der Stadt ist mir aber erstens zu viel los, und zweitens die Unterkunft zu teuer, und so geht es nochmal 30km stadtauswärts vom Fluss weg. Und schwupps sind es auch heute wieder mehr als hundert Kilometer.

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