Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Swanetien

Ab in die Berge! Heute geht es über die 100 km lange Strasse nach Mestia. „Ihr werdet fünf Stunden brauchen, weil Ihr ständig stehen bleibt zum Foto machen„, hat man uns gesagt. Wir brauchen nur drei, denn was wir sehen, sieht aus wie in den Alpen. Sehr schön, aber nicht umwerfend.

Erst mal jedoch zum Bäcker:Erkennbar an dem waagrecht eingebauten Fenster an der Tür!

Die Strasse ist gut befahrbar, aber man merkt, dass die Instandhaltung einer Gebirgsstraße doch etwas aufwändiger ist. An drei Stellen ist erst kürzlich ein Erdrutsch drüber gerauscht, teilweise auf mehreren 100 Metern. Steinschlag liegt auch ziemlich viel rum, und man sieht einige Autos mit dicken Dellen in Windschutzscheibe oder Dach. Man kommt dennoch zügig voran, aber halt immer nur auf Sicht: Überall könnte dir ein Auto entgegen kommen, das einer Kuh oder einem Fels ausweicht.

Wie jeden Tag ist es auch heute am Morgen wolkig. Als wir in Mestia ankommen, ist der 4690m hohe Ushba noch in Wolken eingehüllt. Auch als wir die Seilbahn auf den knapp 2400m hohen Berg gegenüber genommen haben, ändert sich das nicht. Die Seilbahn ist das Skigebiet – nein, stimmt nicht, es gibt auch noch einen kleinen Schlepper. Dafür sind die Preise super: 5 Lari kostet die Fahrt, das sind 2€.

Auch hier: Off season. Das Restaurant oben hat genauso zu wie das an der Talstation. Unten im Ort finden wir aber ein Restaurant, hier gibt es mit trockenem Hackfleisch gefülltes Khatschapuri – wie das heisst, habe ich leider vergessen. Das kann man sich in etwa wie dünnes Fladenbrot vorstellen, und schmeckt sehr lecker. Dazu natürlich wieder Chinkali und georgischen Salat: Gurke / Tomate mit Frühlingszwiebeln und sehr würzigem Öl. Georgisches Essen ist extrem lecker!

Als wir um vier Uhr von unserem späten Mittagsmahl wieder aus dem Restaurant raus kommen, ist der Berg endlich frei von Wolken, und die Sonne strahlt munter herab. Jetzt sieht alles gleich noch mal schöner aus.

Mestia selbst ist ganz nett, zur Verteidigung haben die Bewohner früher Wehrtürme gebaut, von denen noch mehrere Dutzend im Ort verteilt stehen. Auch einen kleinen Flughafen gibt es, das Terminal ist sehr modern gebaut: Ein verdrehtes Y aus schwarzem Glas und weißer Verkleidung.

Das unser Auto ein wenig Macken zeigt (Beim Licht geht nur Standlicht, und ein paar mal ist kurz die Motorwarnleuchte angegangen), und wir bereits wissen, wie Berge aussehen, fahren wir die restlichen 50km bis Ushguli nicht mehr. Ushguli liegt auf 2400m Höhe und ist der höchste bewohnte Ort Georgiens. Die Strasse dorthin soll nur teilweise asphaltiert sein, und OpenStreetMaps berechnet 2 Stunden für die Strecke.

Auf dem Weg zurück nach unten fängt der Motor an, so richtig Zicken zu machen. Immer wieder fühlt es sich an, als laufe er nur noch auf einem Zylinder, und die Motorgeräusche klingen bedrohlich. Wir kucken uns besorgt an, und hoffen, dass wir wenigstens bis Zugdidi zurück kommen – eigentlich wollten wir nach Poti zurück ans Meer.

Die letzten 10 Kilometer werden zur Zitterpartie: Schaffen wir es über die Brücke, oder reicht die Kraft des Motors nicht mehr? Erleichtert kommen wir am Hotel an und kontaktieren den Vermieter. Was wir denn tanken würden, fragt er. „Euro Regular“, also Normalbenzin. Man hätte uns doch bestimmt gesagt, dass der Wagen nur Super vertrage! Nein, ich hatte vergessen zu fragen, und als wir das erste Mal tanken waren musste ich erst mal schnuppern, ob der Wagen Diesel oder Benzin braucht – die Beschriftung ist nur auf Japanisch auf dem Tankdeckel. Zur Tankstelle kommen wir wieder problemlos, und plötzlich leuchtet auch das Licht wieder. Superbenzin kostet deutlich mehr: Statt 1,35 Lari kostet der Liter 1,88. Na ja, immer noch weit unter einem Euro pro Liter. Ich hoffe, das war es jetzt an Spaß mit diesem Karren: Die Reifen sind total abgefahren, einer verlor Luft, das Licht geht nur wenn es will, und beim Sprit ist er auch wählerisch… Mein schlechtes Gewissen wegen der Schlamm-Aktion ist jedenfalls weg.

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