Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Open Range Road

So, genug Stadt, jetzt geht aufs Land. Wir wollen erstmal ganz in den Osten des Landes, um uns dann die kommenden Tagen in den Westen durchzuarbeiten. Ganz im Osten, an der aserbaijanischen Grenze, liegt der Vashlovani Nationalpark. Die Strasse dort hin ist entgegen den Erwartungen super – der Verkehr fliesst zügig mit ca. 100 km/h, überholt wird nach japanischer Kampfpilotentaktik, gerne auch mal mit Doppelüberholmanöver.

In etwa drei Stunden sind wir erst über den „Kakheti Highway“, danach über eine kleinere Landstrasse durch einige Dörfer am Ende der Ausbaustrecke angelangt. Wenn kein Gegenverkehr kommt (also praktisch immer), fährt man in der Mitte der Strasse mit immer noch 80 km/h. Rechts und links fressen sich aber bereits die Schlaglöcher rein. Ab Kasristkali ist dann Piste angesagt, und ich schalte den Pajero auf Allradantrieb.

Noch im Ort geht es dann gleich durch eine Furt, und der Offroad-Spass kann beginnen. In Georgien ist Regenzeit, somit ist die Piste immer wieder ziemlich schlammig, dann heisst es ab vom Weg und durch das Gras – Strasse ist, wo ich fahre!

Wir sind in einem weiten Tal mit wenigen Bäumen und vielen kleinen Kuh- und großen Schaf- und Ziegenherden. Jetzt ist das üppiges Grasland, im Sommer wird es dann vermutlich eine gelbe Steppe. Immer wieder geht es über kleine Hügel oder durch trockene Flussbette, es macht richtig Spaß zu fahren! Die Natur ist wunderschön, und es ist praktisch menschenleer, abgesehen von den Schafhirten. Eine Herde wird von drei „Cowboys“ zu Pferde und einem halben Dutzend Hunden um unser Auto getrieben – fühlt sich an wie Down Under. Andere Herden können wir umfahren, und die ein oder andere Kuh müsen wir von der Piste hupen.

Laut Schild gibt es hier Gazellen, aber wir sehen neben den domestizierten Tieren außer bunten Vögelchen, Mäusen und Falken keine Tiere. Irgendwann kucken wir immer öfter auf die Uhr, eigentlich müssten wir längst umdrehen, Hotels gab es schon lange keine mehr. Bis wir dann entscheiden, dass es hier viel zu schön ist um umzudrehen, wir übernachten später im Auto und fahren jetzt noch weiter.

Am späten Nachmittag kommen wir am Grenzposten an, und müssen, obwohl wir davor links abbiegen wollen, unsere Pässe vorzeigen. Die Grenzer scheinen sich zu freuen, endlich was zu tun zu haben, und verschwinden erst mal. Dann versuchen sie uns mit Händen und Füssen irgendetwas mitzuteilen, aber nach 20 Minuten verständnislosen Blicken hier wie da drücken sie uns die Pässe wieder in die Hand, und wir dürfen zurück fahren – nach links dürfen wir nicht, obwohl die Strasse in Georgien bleibt.

Statt über die „Open Range“ Road geht es jetzt die „Black Mountain“ Road die Hügelkette im Norden hoch, und ganz oben angekommen ist die Aussicht einfach gigantisch! Auch wenn wir nicht zum eigentlichen „Vashlovani“ gekommen sind – die Schlucht selbst ist nur per Pferd in einer mindestens dreitägigen Tour erreichbar – das hier ist bestimmt nicht weniger schön.

Im Norden ein weites Tal, dahinter eine weitere Hügelkette, und dann die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus mit seinen Gletschern. Im Süden geht der Blick bis zum über 50km entfernten Gandscha, bereits weit in Aserbaijan. Keine Menschenseele weit und breit. Als nach drei Stunden Staunen und Fotografieren die Sonne orange-glühend untergeht, ist abgesehen von Gandscha in weiter Ferne nur ein Licht zu sehen: Ein Bauerhof auf der anderen Talseite.

Einzig ein Sternenhimmel ist uns nicht gegönnt, mit der Dunkelheit kommen dicke Wolken, und bald regnet und windet es ziemlich. Was für ein herrlicher Tag!

 

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