Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Mit Schiffen radeln – Teil 5 – Müdigkeit

Heute, an Tag Fünf meiner Reise, überfällt mich die Müdigkeit. Ich bin den ganzen Tag matt, lustlos und schmerzempfindlich. Aber es ist kein Sport, wenn es nicht weh tut, oder?

Ich verlasse Frankfurt flussabwärts und fahre am Flughafen vorbei durch einen Wald. Der Waldweg ist wie mit dem Lineal gezeichnet und es herrscht abgesehen von den Flugzeugen Totenstille.

5km schnurgerade durch den Wald

Es gab heute im Hotel kein Frühstück, so habe ich in einem Supermarkt belegte Semmeln gekauft. Und die Verkäuferin beleidigt: Ich will eine mit Ei belegte Laugensemmel. Sie ganz stolz: „Da ist grüne Soße drauf!“. Mein: „Ich nehm sie trotzdem“ war wohl nicht, was sie hören wollte.

Nach dem Wald sollte ich gleich am Main sein, dort will ich Picknick machen und freue mich schon drauf. Zwischen dem Frühstück und mir steht jedoch eine Autobahn, und die Unterführung ist mit einem Gitter abgesperrt. Google findet keine Alternative, OpenStreetMaps mag auch nicht, und meine Erkundungsfahrt entlang der Autobahn findet auch nach 2km keinen anderen Durchgang. Zurück zum Gitter, vielleicht komme ich ja doch irgendwie durch?

Ich komme mir ziemlich doof vor, als ich erkenne, dass die Tür neben dem Gitter nur angelehnt ist und vermutlich Wildwechsel verhindern soll.

Die Tür ist offen und einladend.

Nach der Verzögerung erreiche ich den Main schnell und laufe beim Frühstücken ein bisschen hin und her um wach zu werden.

Frühstück mit Blick auf Main und Taunus

Das Wetter ist immer noch mau – die Sonne kommt kaum raus, und immer wieder nieselt es. Eine halbe Stunde nach dem Frühstück, nach erst 20 Kilometern muss ich erneut Pause machen. Gelenke und Muskeln schmerzen, und wo man drauf sitzt auch. Nach einer Dreiviertelstunde auf einer Parkbank geht es weiter, und Mittags erreiche ich die Mündung des Mains.

Ab jetzt heißt der Main Rhein.

Eigentlich sollte ich mich jetzt freuen und stolz sein, aber ich bin heute wie ein Roboter, und blicke auch kaum rechts und links beim Fahren. Auf der Brücke auf die linke Rheinseite, nach Mainz rüber, verlasse ich Hessen und betrete wieder Bayern Rheinland-Pfalz. (Die Pfalz war 1816-1946 bayrisch)

Bei einem königlichen Burgerbrater schlafe ich nach dem Essen ein und schlummere eine halbe Stunde tief und fest.

Wirklich besser wird es dennoch nicht, mechanisch trete ich weiter, a bisserl geht noch, nur noch bis zum nächsten Ort, mehrfach verstelle ich den Sattel um ein Gleichgewicht zwischen schmerzenden Händen und Schultern einerseits und schmerzendem Gesäß andererseits zu finden.

Ist es erst links noch relativ flach, so macht der Rhein bei Bingen einen Knick und bricht durch den Taunus. Vorher ist am Hang noch das Niederwalddenkmal zu sehen, das an den Sieg über Napoleon und die Gründung des deutschen Reichs erinnert. Hier waren wir erst vor zwei Wochen, da war das Wetter deutlich besser!

Nun bin ich im Tal mit Burgen rechts und links und Zollburgen auf Inseln im Rhein.

Gegen vier Uhr erreiche ich kurz hintereinander zwei Meilensteine: Ich überquere den 50sten Breitengrad und kurz darauf mache ich die 500km voll!

Dem Ehrgeiz ist damit Genüge getan, und ich buche ein Hotel 10km weiter in Oberwesel. Damit heute nur 96km, die 100 mache ich dann zu Fuß voll.

Ich bin so steif und verspannt, dass ich einen Spaziergang zum Supermarkt mache, der 1,5km entfernt ist. Als ich nur noch 50m entfernt bin, dauert es dennoch noch 20 Minuten ihn zu erreichen: Zwischen mir und dem Rewe sind Bahngleise, und so muss ich nochmal etwa einen Kilometer laufen bis zur nächsten Brücke, und auf der anderen Seite wieder zurück.

Dafür sehe ich einen Baum, der aus Zuckerwatte gebastelt zu sein scheint:

Rosa Zuckerwattebaum

Heute geht es früh ins Bett, und morgen ist es hoffentlich auch wieder heller und wärmer! Dann geht es ins platte Land Richtung Koblenz, Bonn, Köln.

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