Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

MDR 4 – Auen

Heute schlafe ich aus, das Völkerschlachtdenkmal öffnet erst um 10 Uhr. Außerdem ist Tag 4, auch bekannt als Mimimi-Tag. Immerhin ein Tag später als letztes Jahr, da hab ich schon am dritten Tag nicht mehr bequem sitzen können.

Das größte Monument Europas erinnert an die Niederlage Napoleons

1813 fand hier in der Nähe die bis dahin größte Schlacht der Menschheitsgeschichte statt. 600 000 Mann wurden aufeinander gehetzt, nach 4 Tagen Gemetzel sind über 90.000 Menschen tot oder verletzt. Also in etwa die Einwohnerzahl von Gera oder Esslingen. Oder anders gesagt: Vor Leipzig wurden mehr Menschen getötet als Leipzig damals Einwohner hatte. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das Schlachtfeld nachher aussah.

Vor dem Denkmal ist gute Musik, ein Musiker versucht sich mit dem Saxophon in schnell wechselnden Stilen, von White Stripes springt er übergangslos zu Louis Armstrong.

Innendrin ist natürlich alles monumental und martialisch, es geht um Heldentum und echte, edle Teutsche. So sieht der deutsche Mann aus:

Über viele Stufen geht es weiter und weiter hoch, die Gänge werden immer schmaler, die Treppen steiler. Platzangst darf man hier nicht haben. Dafür ist oben die Aussicht toll, und man hat sie sich redlich erkauft und ist nicht mit dem Schnellaufzug hochgehoben worden wie im Panorama Tower gestern.

Danach ist „Frühstück“ angesagt. In Anführungszeichen deshalb, weil das Frühstück bereits von der Karte gestrichen wurde, es ist bereits 12:30 als ich in der Moritzbastei ankomme. Außenrum sitzen die Studenten mit Tablets aus der Mensa. Das sieht erstaunlich lecker aus, aber ich will lieber im schönen Cafe sitzen.

Die Moritzbastei liegt ja untergründig, das Cafe ist aber direkt am Eingang. Man sitzt unter offenem Himmel, aber 5m versenkt. Die Sonne brennt senkrecht von oben herab, die Eiswürfel in meiner Fassbrause schmelzen schneller als man kucken kann. Herrlich!

Mitten im Essen scheppert es hinter plötzlich laut. Oben spielen ein paar Studenten ein mir unbekanntes, volleyballähnliches Spiel, und ihr Ball ist auf den Tisch hinter mir herunter gefallen. Die beiden Frauen am Tisch sind vor Schreck kreidebleich, und der Kellner kuckt den kleinlauten Studenten, der den Ball holt sehr böse an.

Frisch gestärkt geht es einmal rund um die Innenstadt Richtung Halle, um den Zoo außen rum durch den Leipziger Auwald. Dann bewege ich mich den Rest des Tages mit kleinen Unterbrechungen entlang der Luppe. Dieser Nebenarm der Elster ist komplett eingedammt, und auf dem Damm ist ein Radweg.

20km an der Burgaue entlang geradelt sieht es kaum anders aus, es heißt jetzt nur Elster-Luppe-Aue, und ich bin wieder in Sachsen-Anhalt.

Nach Schkeuditz vereinigen sich Luppe und Weiße Elster wieder, kurz danach biege ich links ab. Hier sind ehemalige Kohlelöcher zu Badeseen verwandelt worden. Und weil so schönes Wetter ist setze ich mich eine halbe Stunde dort auf ein Bänkchen und genieße die Sonne.

Der Raßnitzer See

Im nächsten Ort ist ein Weinkeller („Radfahrer willkommen“) schon weit vorher ausgeschildert, und das Angebot nehme ich an.

Allerdings setze ich mich nicht in den festlich gedeckten Keller, sondern außen in den Garten. Heute bin ich faul, ich glaube es waren keine 50km. Die Wirtschaft ist preislich eher auf Münchner Niveau, aber die Gegend scheint allgemein sehr wohlhabend zu sein. Ist das der Rückzugsort der Leipziger Oberschicht oder liegt das an den Leunawerken, die hier ums Eck liegen?

Jedenfalls ist es hier von Natur und Bebauung wirklich schön.

Das finden nicht nur die Menschen, auch die Vögel sind hier in der Gegend zahlreich vertreten. Von den ganz kleinen Exemplaren:

bis hin zu den Platzhirschen:

Frisch gestärkt erreiche ich bei tief stehender Sonne Merseburg. Mir scheint, ich muss morgen mal in die Stadtmitte fahren, und kann hier nicht nur das Nachtlager aufschlagen:

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