Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Ins Zentrum der EU

Nach dem gestrigen Brexit-Blues müssen heute die Europa-Batterien aufgeladen werden. Ja, es gibt an der EU ganz viel auszusetzen, und wirklich demokratisch ist das mit der Kommision auch nicht. Außerdem bin ich ja eigentlich unpatriotisch und Weltbürger, denn ich nehme Artikel 1 des Grundgesetzes ernst. Da steht die Würde des Menschen, und nicht des Deutschen oder Europäers. Da versuche ich nicht zu unterscheiden, auch wenn ich natürlich wie jeder Mensch voller Vorurteile und Angst vor Fremden bin.

Dennoch: Die EU, so wie sie ist, ist um so viel besser als das, war vorher war. Ich fand es super, damals einfach so in London arbeiten zu dürfen, ohne Visum, ohne Arbeitserlaubnis. Ich finde es super, in Italien einfach mit Euro zahlen zu können und auf dem Weg dahin nicht zwei Mal eine Stunde vor dem Zollhäuschen stehen zu müssen. Und überall ist einfach so Internet, ohne SIM-Karten kaufen in jedem Land.

Also geht es jetzt nach Brüssel, und als Erstes stellen wir uns in die lange Schlange zum Atomium.

Von innen ist das vergrößerte Eisenatom nicht so spannend und imposant wie von außen, die Aussicht ist auch mäßig spektakulär. Einzig die Treppen und der Lift in den Verbindungselementen sind Blickfang, aber ob die Eintrittspreis und Wartezeit wert sind? Zumindest von außen muss man das aber gesehen haben!

Von oben sieht man auf Ziel 2 des Kombitickets: Mini-Europa.

In einem Rundgang sind teils gut gemachte, teils kaum wieder zu erkennende Sehenswürdigkeiten aus allen europäischen Ländern zu sehen. Der Fokus ist deutlich Westeuropa-lastig, die osteuropäischen Staaten sind wesentlich kleiner repräsentiert. Und auf den Schautafeln ist Europa ein katholisch geprägter Kontinent, die Aufklärung ist hier nicht die Loslösung von Religion und Unterdrückung, sondern die Hinwendung zum Menschen. Protestantismus, Orthodoxe und Anglikanische Kirche oder gar Judentum und Islam scheinen Europa nicht zu prägen. Die je nach Studie etwa 50% der Europäer, die nicht an den christlichen Gott glauben wohl auch nicht.

Außerdem schimpft Marc, dass das Oktoberfest nicht abgebildet ist :-).

Trotzdem durchaus lohnenswert, und vor allem füllt es die Bucket List wieder auf. Auch in Europa gibt es noch so viel, das ich noch nicht gesehen habe! 

Da es inzwischen schon deutlich nach Mittag ist, fahren wir nicht mit der Bahn in die Innenstadt, sondern mit dem Auto. Im Europaviertel ist alles voller Baustellen, Einbahnstraßen und Umleitungen, und so sehen wir das EU-Parlamentsgebäude nur mehrmals kurz zwischen anderen Häusern durchblitzen. Ich stelle mich irgendwie doof an, und wir finden nicht hin. Dafür geht es tatsächlich mit dem Auto bis direkt zum Stadtzentrum. Warum das nicht weiträumig autofrei gemacht wird verstehe ich nicht. Zu Fuß ist man in dem Verkehrschaos schneller, und zwei Polizisten, die den Verkehr an einer funktionierenden Ampel regeln sollen, machen total überfordert alles nur schlimmer. Dafür finden wir einen Parkplatz direkt neben dem Marktplatz, von dem ich gelesen habe, er wäre der schönste Europas. Und was soll ich sagen, ich kenne nicht alle, und ich habe viele tolle Marktplätze gesehen (Siena!). Aber der Grote Markt in Brüssel ist schon echt der Hammer!

Und wir haben Glück! Man sagt ja oft, 99% Wahrscheinlichkeit ist praktisch Gewissheit. Dieses Jahr werde ich zum zweiten Mal mit der Nase darauf gedrückt, dass das Quatsch ist. 3 Tage im Jahr sind weniger als 1%. Und somit hat die Gallery of Modern Art in Brisbane mit 99% Wahrscheinlichkeit auf, wenn wir dort hin kommen. Und nur 3 Tage im Jahr ist der Grote Markt mit dem Flower Carpet bedeckt. Beides extrem unwahrscheinlich, aber während wir in Brisbane unwahrscheinlich Pech hatten, haben wir in Brüssel unwahrscheinlich Glück. Der riesige Teppich aus Blüten ist wunderwunderschön.

Auf dem Weg in den Osten Belgiens kommen wir noch am Euro Space Center vorbei, einem Raumfahrtmuseum, aber das hat als wir ankommen schon seit zwei Stunden geschlossen.

Morgen werden wir noch zwei oder drei Grenzen überfahren, trotz Seehofers wilden Bemühungen werden wir das nur bemerken, weil irgendwo ein Schild mit „Willkommen in XYZ“ hängt. Die EU ist einfach eine tolle Sache!

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