Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Eastward again

Nach einer schlafarmen Nacht im Days Inn an der Autobahnraststätte (Was für eine Bruchbude…) drehen wir um, und fahren wieder gen Osten. Diesmal über die andere Brücke über den Bristol Channel, der jetzt bei Flut schön voll ist, und auch aus der Luft weiter befüllt wird. In Bristol, einer 500.000 Einwohner großen Stadt, suchen wir uns erst mal ein trockenes Plätzchen zum Frühstücken. Bis wir gefüllt sind, hört es auch brav auf zu regnen, und wir können eine Runde durch die Stadt drehen. In der ganzen Stadt wird den Berühmtheiten gedacht, die hier gewirkt haben oder geboren wurden. Neben diversen religiösen Spinnern sind vor allem zwei Show-Business-Größen: Archibald Leach a.k.a. Cary Grant, …

Cary Grant

…meiner Meinung nach einer der coolsten Schauspieler aller Zeiten, sowie den Aardman Animations Studios. Das sind die Schöpfer von Wallace & Gromit:

Spannend ist vor allem das Viertel „Canon’s Marsh“ am Avon River, mit Museen, Aquarium, Veranstaltungsstätten, Kinos und teuren Wohnungen. Erinnert ein wenig an Barangaroo in Sydney, auch so ein mit neuem Leben gefüllter Hafen.

Auf dem Weg aus der Stadt raus müssen wir auf jeden Fall über die Clifton Suspension Bridge fahren, auch wenn es die falsche Richtung ist. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht, und auch die Brücke ist ganz eindrucksvoll. Unten im Fluss sieht man bereits die Auswirkungen der Ebbe, das Wasser fließt ganz schön schnell in Richtung Meer. Ich habe das Gefühl, man kann das Wasser beim Fallen beobachten.

Die Fahrt aus Bristol heraus ist noch stockender als herein, es staut sich bis Bath immer wieder. Dafür ist die Fahrt super: kleine, gewundene Strassen, die sich über Hügel und durch Täler schlängeln. Immer wieder tolle Aussichten und wunderschöne alte Häuser. Steil hoch und runter, nur viel zu viel Verkehr.

In Bath können wir die Kinder gerade noch für die Roman Baths begeistern, die ich sehr beeindruckend finde. So ein ausgeklügeltes Sauna- und Badeparadies vor 2000 Jahren, bis es so etwas in Europa wieder gab, hat es über 15 Jahrhunderte gedauert. Das sollte uns zu denken geben, dass man den Feinden der Wissenschaft („Klimawandel ist eine Lüge“) entschieden entgegen stehen muss. Sonst müssen unsere Enkel im Jahr 2100 wieder Schafe und Jungfrauen für die Propheten Jesus, Mohammed und Donald schlachten.

Auf dem Weg nach Stonehenge entdeckt ich am Horizont ein riesiges weißes Pferd. Ob das die Nachwirkungen des süßlichen Rauches sind, denen wir in Bristol ausgesetzt waren? Im Park saß dort eine Runde Kiffer mit einem derart aromatischen Stoff, dass man sie noch 100m weiter gerochen hat.

Aber nein, das Pferd existiert wirklich, nur fotografieren kann ich es nicht. Es blitzt nur ab und zu zwischen den Bäumen hervor, und Parkgelegenheiten gibt es im dichten Verkehr nicht. Die Neugierde packt mich, irgendwas hatte ich schon mal von „white horses“ gelesen. Also ab von der main road, links ist ein Hügel, von dort sollte man gute Aussicht haben. Nur dummerweise ist das militärisches Sperrgebiet, und so sehen wir das Pferd erst wieder, als wir fast direkt daneben stehen.

Das Pferd selbst ist relativ unspannend, aber die Aussicht über Wiltshire ist genial! Jetzt ist es nicht mehr weit bis Stonehenge, das Gabi bereits besucht hat. Damals waren das ein paar Steine auf einem Feld, zu denen man einfach hingelaufen ist. Heute ist da ein riesiges Visitor Center mit Shuttlebus und Shop. Und 20 Pfund Eintritt pro Nase – wofür? In Bath sehe ich das ja ein, da musste viel Aufwand getrieben werden, um zu restaurieren und die Besucher durchzuleiten ohne die Bäder zu beschädigen. Aber hier musste man einfach weiträumig einen Zaun ziehen, damit wirklich jeder zahlt, wirklich Aufwand muss nicht betrieben werden. Ich begrüße, dass man nicht mehr einfach hinlaufen kann, es gibt zu viele Idioten, die dann Graffiti auf die Steine machen oder drauf rumklettern. Aber das ist Abzocke, das tun wir uns nicht an. Wir versuchen es nochmal über einen Feldweg, von dem aus laut Internet nahe rankommt, aber das Loch ist inzwischen auch geschlossen. So sehen wir das faszinierende Observatorium nur von der Landstraße aus.

Das nächste bezahlbare Hotel ist in Southampton, die große Straße dahin ist verstopft. So nehmen wir die kleinen Straßen, und das macht richtig Spaß! Es fällt mir schwer hier die Geschwindigkeitsbegrenzung einzuhalten, aber die meiste Zeit schaffe ich es einigermaßen.

Das Hotel war in den 20er Jahren bestimmt mal schick und modern, die Technik ist aber seitdem nicht aktualisiert worden. Der Aufzug hat noch Schiebetüren, die manuell geöffnet und geschlossen werden müssen, und nicht jeder traut sich in den winzigen, nicht wirklich vertrauenerweckenden Kasten. Die Treppen knirschen auch gruselig, aber wenigstens gibt es fließendes kaltes Wasser!

Das Abendessen gibt es nebenan im riesigen, wuseligen Pub. Hier kann man nur an der Bar bestellen, aber das sieht schon nach längerer Wartezeit aus. Alternativ kann man über die App bestellen und bezahlen. Das geht nicht schneller, denn bis vier Leute am Handy ihre Wünsche eingegeben haben und das System mit Rabatten, „reduced drink price if food ordered“ und Two for One verstanden haben vergehen locker 20 Minuten. Das Essen ist aber dann reichlich und gut, der Alkohol noch reichlicher, und so ist am nächsten Morgen der Kopf schwer und wir starten verspätet – aber das war so geplant, weil heute eh eine Regenfront über uns hinweg zieht.

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