Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Ab in die Wüste

Gestern Abend lese ich in der SZ noch einen Artikel über die hohe Feinstaubbelastung in München. Kurz darauf hebt sich ein heftiger Wind an, und da wir hier im Mallee sind (sandiger Boden), bringt der auch jede Menge Staub mit sich. Das andere Flussufer wird trüb, und atmen wird schwer. Das ist weit weg von einem Sandsturm, aber geht ganz schön auf die Lunge. Ob man hier über Feinstaub überhaupt diskutiert?

Das Positive am Wind: Er bringt warme Luft mit sich! Ziemlich warme Luft. Am nächsten Morgen ist es bereits wärmer als es gestern am Nachmittag war. Ja! So habe ich mir das vorgestellt, so darf es erst mal bleiben!

Heute verlassen wir die moderne Welt, und begeben uns in die ungeteerte, leere, wüste und verlassene Welt jenseits von nennenswerter menschlicher Anwesenheit. Kurz nach Mildura – wir sind inzwischen nicht mehr in VIC, sondern in NSW (Victoria, New South Wales) – wird aus der geteerten Strasse eine Piste. Wir werden heute bis wir am Abend in Balranald ankommen genau ein anderes Auto sehen. Aus der Ferne, und nur deswegen, weil es eine große Staubwolke hinter sich her zieht.

Über 300km Piste fahren wir heute, und die ist durchgehend wirklich gut befahrbar. Es hat seit drei Monaten nicht mehr wirklich geregnet (In der Nacht gab es ein paar Tropfen), und so kann man bedenkenlos mit den erlaubten 100km/h seine Staubwolke hinter sich her ziehen. Faszinierend ist der ständige Wechsel von Umgebung und Bodenfarbe. Mal hügelig, mal brettl-eben, mal dicht bewaldet, dann wieder nur sowas wie Gras, mal rote, mal braune, mal weiße Erde.

Das Fahren ist ziemlich anstrengend, weil man permanent voll konzentriert sein muss, immer wieder sind Löcher mit weichem Sand, enge Viehgitter und schlecht einsehbare Buckel. Dafür macht es höllisch Spaß!

Ziel ist der Munro National Park, hier waren bis vor 18.000 Jahren über ein Dutzend Seen, die von inzwischen ausgestorbenen, lustig aussehenden Tieren bevölkert waren. Und seit mindestens 45.000 Jahren von Aborigine. Man hat hier ein weibliches und ein männliches Skelett gefunden (Mungo Lady und Mungo Man). Mit der Verschiebung der Wetterfronten am Ende der Eiszeit trocknete der Fluss aus, der die Seen gefüllt hat, und jetzt sind das runde, flache Vertiefungen mit Busch-Vegetation.

Neben der archäologischen Besonderheit gibt es noch geologische Schmankerl hier: Sanddünen und die „chinesische Mauer“. Über den Namen kann man streiten, ich finde ihn unpassend und irreführend. Ist aber dennoch spannend.

Die „chinesische Mauer“, davor das einzige andere Auto heute!

Als hier noch ein See war, und meist Westwind, fegte der Wind über den See, und lud an der Ostseite Sand ab. Dort bildete sich eine Düne. Als der See austrocknete, blies der Wind den Ton vom Seeboden oben drüber, der versiegelte und verfestigte die Düne. So ist heute noch, fast 20.000 Jahre später, um die Ostseite des Sees ein halbmondförmiger Ringhügel. Durch Erosion sieht der inzwischen aus wie der Bryce Canyon in den USA, nur in Miniatur.

Die Hügel der Mauer, dahinter bereits der nächste „See“

Wie Bryce Canyon, nur klein und nicht so rot

Wenn hier mal Wasser fließt, sieht das bestimmt spektakulär aus

Eine fast 50km lange Ringstrasse führt durch den Park, mit mehreren Stopps mit Hinweistafeln und kurzen Spaziergängen, und einem absolut verlassenen Gratis-Campingplatz (Ohne jegliche Infrastruktur, nicht mal ein Plumpsklo). Am Eingang ist ein gut ausgestatteter Campingplatz bei der Mungo Lodge, mit schickem Restaurant und – tadaa! – Mischbatterien an den Wasserhähnen! Das haben wir hier in Down Under erst das zweite Mal gesehen, sonst gibt es überall das typisch englische System mit zwei Reglern und meist auch zwei Hähnen: Hot und Cold.

Hier könnte man auch eine Sundowner Tour oder einen Rundflug buchen, aber wir erkunden lieber selber.

Auf dem Weg sehen wir immer wieder Tiere, hauptsächlich Kängs und Emus, aber auch eine Buschkatze und einen Dingo. Letzteren allerdings in etwas weniger beweglicher Form als Road Kill am Strassenrand.

Die sterblichen Überreste eines Dingo

Zwei Emus

Zwei Kängurus beim Queren der Piste

Eine Buschkatze

Das Känguru sucht Schatten

Die Beiden nehmen Reißaus vor uns

Die Mungo Lodge hat auch drei Emus im Freiluftstall, wir dürfen Henry und seinem Vater beim Füttern helfen.

Auf dem Menü heute: Kohlblätter

Ich will nicht unhöflich sein, aber die Vieher sind schon selten hässlich!

Am Strassenrand finden sich aber nicht nur tote und lebendige Tiere, sondern auch Pflanzen, die wir nicht erwartet hätten: Melonen!

Einer der vielen Melonensträucher am Strassenrand

Ich öffne eine schon vom Strauch abgefallene Melone und rieche daran: Riecht wie eine Honigmelone!

Das verwundert mich schon, ich hätte erwartet, dass Melonen relativ viel Wasser benötigen, und hier in der Wüste eher nicht zu finden sind. Das schlaue Wikipedia berichtigt mich, und dort lese ich, dass die Melonen in Westaustralien sogar als Plage gelten. Außerdem sagt mir das schlaue Internet, dass die wilden Melonen hier entweder sehr bitter oder giftig sind. Gut, dass ich nicht probiert habe.

In Mungo NP gibt es aber nicht nur „versteinerte“ Sanddünen, sondern auch ganz normale Wanderdünen, denen man bei dem Wind heute gut beim Wandern zusehen kann.

Korn für Korn wandert die Düne ostwärts

Sanddünen am Vigars Well

Tapfer erklimmt der dicke Mann die Düne

Hier ist nach Regenfällen ein bisschen Wasser, dann macht der Vigars Well seinem Namen auch Ehre, somit findet man hier am ehesten Tiere, hier haben wir auch Käng, Emu und Katze entdeckt.

Heute ist hier kein Wasser, aber dafür viel warme Luft. 38 Grad hat es heute, endlich fühle ich mich richtig wohl! Die Luft wabert über den trockenen Seen, und der Wind treibt eine Staubhose nach der Anderen über die Ebene.

Durch die Fata Morgana sieht es tatsächlich fast so aus, als wäre doch noch Wasser da

Windhose wirbelt Staub über den Seeboden

Für das Fliegenproblem haben wir die passende Ausrüstung gefunden. Ist zwar etwas warm da drunter, aber ohne hätten wir das Auto wohl kaum verlassen.

Viele Grüße aus der Wüste schicken schwitzend und sehr glücklich Gabi und Alexander!

Wir fühlen uns wie Imker!

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Thema von Anders Norén

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